Morsleben

Von Sonntag, den 25.02.2018 bis Dienstag, den 27.02.2018 haben 26 Studenten der biomedizinischen Technik im Rahmen des Physik III – Moduls bei Prof. Dr. Joachim Breckow an einer zweitägigen Exkursion teilgenommen. Die Studenten, in zwei Gruppen aufgeteilt, besuchten jeweils parallel das Endlager für radioaktive Abfälle in Morsleben und die Schachtanlage Konrad. Außerdem wurde die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig besichtigt.

Das Endlager Morsleben, ein ehemaliges Kali- und Steinsalzbergwerk, wurde 1971 als zentrales Endlager der DDR für schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingerichtet. Das Bergwerk selbst ist nicht mehr in Betrieb und es wird eine Stilllegung des Endlagers geplant bei dem die radioaktiven Fässer mit einem Beton-Salz-Gemisch eingeschüttet werden. Die hohen Sicherheitsbestimmungen sind insbesondere im Endlager Morsleben aufgefallen, bei der strikte Einlass- und Personenkontrollen mittels Metalldetektor an der Tagesordnung stehen.

In der Einführung wurden die geologischen Risiken eines Endlagers besprochen und die Studenten einer Sicherheitseinweisung unterzogen. Nachdem die Gruppen mit bergmännischem Grubenzeug wie Helm, Overall, Sauerstoff-Selbstretter, Lampe und Sicherheitsschuhen ausgerüstet wurden, fuhren die Studenten über einen Schachtaufzug in 386 m Tiefe unter die Erde. Die Führung ging durch eine sehr beeindruckende Szenerie mit schimmernd umgebenden Tunnelwänden des Bergwerks, bei der eine Salzreinheit von bis zu 98 % zu beobachten war. Fasziniert von den Salzkristallen wurden einige abgetragene Kristallrückstände als Souvenir mit an die Oberfläche gebracht.

Währenddessen besuchte die andere Gruppe den Schacht Konrad, ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk, in dem rund 90% der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung eingelagert werden sollen. Sie beinhalten allerdings nur 1% der Gesamtaktivität allen Abfalls. Im Gegensatz zum Endlager Morsleben wird der Schacht Konrad derzeit noch zum Endlager umgerüstet und ist bisher das einzige Endlager, das nach Atomrecht genehmigt wurde. Der Schacht besteht aus sechs Hauptsohlen, bei dem die Studenten bis in die vierte Hauptsohle auf 1100 Metern Tiefe geführt wurden. Der Kontrast zwischen der obigen winterlichen Temperatur von -5 °C und der unter Tage liegenden geothermischen Temperatur von 31 °C war dabei nichts für empfindliche Gemüter. Mit einem Caddy begann die aufregende Rundfahrt durch die verschiedenen Hauptsohlen. Der Schallpegel hingegen zu Morsleben war durch die abtragenden Teilschnittmaschinen, die sich bis zu 15 Metern pro Tag in den Schacht eingraben können, und durch die leistungsfähigen Pumpen der Lüftungsanlage des Schachtes um ein Vielfaches größer, weshalb die Führung über mobile Kopfhörer realisiert wurde.

Konr1

Zum Abschluss des Ausfluges besuchten beide Studentengruppen die Physikalisch-Technische Bundesanstalt. Eingeleitet wurde die Führung beim Pressesprecher der PTB, der durch seinen anregenden Vortrag viele Zuhörer für die Physik und die Bedeutung der Messbarkeit und Genauigkeit begeistern konnte. Die erste Führung ging über einen 11 m langen, hochenergetischen Linearbeschleuniger für die dosimetrische Grundlagenforschung mit einer Energie der beschleunigten Elektronen von bis zu 50 MeV. Untersucht werden Wirkungsmechanismen, bei dem durch besonders genaue Adaptierung der Spulen eine sehr hohe Präzision des Elektronenstrahls erreicht werden kann. Parallel dazu wurde mit der anderen Gruppe die Photometrie-Abteilung besichtigt, bei der Kalibrierdienstleistungen im Vordergrund stehen. Außerdem wird in der Spektroradiometrie und Photometrie neuartiger Lichtquellen geforscht. Ein weiteres Highlight war die Atomuhr der PTB. Dabei ist die Sekunde durch das 9 192 631 770 – fache der Periodendauer der dem Übergang zwischen den beiden Hyperfeinstrukturniveaus des Grundzustands von 133Cs-Atomen entsprechender Strahlung definiert. Die Atomuhren gelten als primäre Normale für Zeit und Frequenz und seit den vergangenen Jahrzehnten als genauste Uhren der Welt. Die letzte Besichtigung erfolgte im Bereich Radioaktivität, bei der Aktivitätsbestimmungen an radioaktiven Stoffen und Radionuklidanalysen an Umweltproben die Schwerpunkte sind. Hierbei war insbesondere die hohe Messgenauigkeit in Braunschweig für radioaktive Stoffe in der Luft für die über 50 – jährige Spurenmessung im Verlauf mit Tschernobyl und Fukushima ein Thema.