Die häufigsten Tumorneuerkrankungen in Deutschland stellen beim Mann das Prostatakarzinom und bei der Frau das Mammakarzinom dar. In Hinsicht auf die Mortalität stehen beim Mann allerdings die Lungentumore an erster Stelle, welche bei der Frau nach der Brust an zweiter Stelle stehen ([1] Stand 2012).

Prostatakarzinom:

Allgemein:

Das Prostatakarzinom ist das häufigste Karzinom des Mannes. Die Mortalität liegt in Deutschland statistisch gesehen allerdings nur an dritter Stelle. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei diesem Tumor bei 70 Jahren. Frühstadien eines Prostatakarzinoms verlaufen asymptomatisch. Folgende Symptome weisen auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin: Erhöhter Harndrang, unvollständige Blasenentleerung, Blut im Urin, schwacher Strahl, Schmerzen. Diese Symptome eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms treten aufgrund der engen Nachbarschaft der Prostata mit Harnröhre, Blasenhals und Rektumvorderwand auf. Bei weiter fortgeschrittener, metastasierter Erkrankung können Skelettschmerzen, Gewichtsverlust und/oder Hodensack- und Beinödeme aufgrund von Lymphblockaden auftreten.

Diagnostik:

Zur Diagnostik eines Prostatakarzinoms zählen mehrere Untersuchungen, die miteinander verknüpft sind: zum einen die rektale Untersuchung der Prostata auf Form, Größe, Abgrenzbarkeit und Konsistenz. Weiterhin wird der Serumspiegel des prostataspezifischen Antigens PSA bestimmt, mit dem eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines bestehenden Karzinoms getroffen werden kann:

  • 2-4 ng/ml: in weniger als 10% der Fälle liegt ein Karzinom vor
  • 4-10 ng/ml: in ca. 25% liegt ein Karzinom vor
  • >10 ng/ml: in 60% der Fälle liegt ein Karzinom vor

Unerlässliche diagnostische Untersuchungen bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom sind eine transrektale Ultraschalluntersuchung sowie eine ultraschallgesteuerte Biopsie.

Therapie:

Die Therapie eines Prostatakarzinoms erfolgt individuell bezogen auf das jeweilige Risiko. Hierbei spielen viele Parameter eine Rolle: das vorliegende Tumorstadium, der Malignitätsgrad (Gleason-Score), die Hormonsensitivität, das Alter des Patienten, die Tumorprogression,  aber auch der persönliche Wunsch des Patienten. Im Bereich der strahlentherapeutischen Behandlung eines Prostatakarzinoms wird je nach Diagnose die perkutane Strahlentherapie, die interstitielle Brachytherapie oder eine Kombination aus beiden gewählt. Bei der perkutanen Variante wird herkömmlich mit einer Gesamtdosis von 64-80 Gy (je nach Tumorklassifikation) in Fraktionen zu je 1,8 Gy bestrahlt. Besteht kein Lymphknotenbefall ist die interstitielle Brachytherapie eine Alternative zur herkömmlichen perkutanen Strahlentherapie. In diesem Fall werden entweder temporär oder permanent radioaktive Implantate in die Prostata eingebracht. Die temporären Implantate bestehen aus 192Iridium und werden nach jeder Behandlung wieder entfernt. Permanentimplantate aus 125Iod oder 103Palladium werden bei einer Prostataspickung als sogenannte Seeds in die Prostata appliziert und verbleiben dort.

Mammakarzinom:

Allgemein:

Das Mammakarzinom ist der häufigste maligne Tumor der Frau. Im Jahr 2005 gab es in Deutschland ca. 60.000 Neuerkrankungen. Das mittlere Erkrankungsalter beim Mammakarzinom liegt bei 63 Jahren. Nur 0,5 – 1 % aller Mammakarzinome treten beim Mann auf. Erste Leitsymptome für ein Mammakarzinom sind ertastbare Knoten in der Brust. Hinzu kommen weitere Symptome wie Schmerzen, Druck- bzw. Spannungsgefühl, Orangenhaut im Brustbereich, Verlagerung oder Einziehung der Brustwarze (Mamille) und/oder Sekretion aus der Mamille.

Diagnostik:

Eine alleinige Tastuntersuchung ist aufgrund ihrer Sensitivität unzureichend. Aus diesem Grund findet eine beidseitige Mammographie statt, die durch weitere Ultraschall-Untersuchungen ergänzt wird. Bei Verdacht auf ein Rezidiv gibt es die ergänzende Möglichkeit einer MRT-Mammographie. Nach Abschluss der bildgebenden Diagnostik wird bei einem positiven Befund eine Stanzbiopsie (sog. „Mamma-Stanze“) durchgeführt um beispielsweise die Östrogen- und Progesteronrezeptoren des Primärtumors bestimmen zu können.

Therapie:

Liegt beim Patienten keine Inoperabilität aufgrund des Alters vor, wird im Regelfall jedes Mammakarzinom primär operativ entfernt. Nach einer brusterhaltenden Operation findet immer noch eine postoperative Bestrahlung der gesamten Brust einschließlich eines kleinen Teils der darunterliegenden Brustwand und der Lunge statt, unabhängig von Tumorgröße und dem Ausmaß der Operation. Zum Ende der Bestrahlung erfolgt meist noch eine Dosisaufsättigung (Boost-Bestrahlung) in der ursprünglichen Tumorregion. Abhängig von der Ausdehnung und dem Sitz des Tumors können nahegelegene Lymphabflusswege wie beispielsweise in der Schlüsselbeingrube oder hinter dem Brustbein direkt mitbestrahlt werden.

Lungentumore:

Allgemein:

Bronchialkarzinome treten sowohl beim Mann, als auch bei der Frau als zweithäufigster maligner Tumor auf. Allerdings stehen sie in der Mortalität an erster (Männer) bzw. zweiter Stelle (Frauen) [1]. In 85% der Fälle ist das Rauchen ursächlich für einen Lungentumor. Eine frühzeitige Diagnose eines Bronchialkarzinoms ist recht selten, da die Krankheit bzw. das Tumorwachstum lange Zeit symptomlos bleibt. Nicht selten sind Fernmetastasen die Ursache von ersten Symptomen. Hierzu gehören der sogenannte „Raucherhusten“, eine chronische Bronchitis oder ein uncharakteristischer Reizhusten. Später können Atemnot, Bluthusten, Gewichtsabnahme und Thoraxschmerzen hinzukommen. Die Bronchialkarzinome werden in zwei Gruppen unterteilt: die nichtkleinzelligen Karzinome (NSCLC) und die kleinzelligen Karzinome (SCLC). Die nichtkleinzelligen Karzinome sind im Gegensatz zu den kleinzelligen relativ spät metastasierend. Aufgrund der gegebenen Differenzen dieser beiden Arten von Lungentumoren in Hinsicht auf prognostische und therapeutische Gesichtspunkte unterscheidet sich auch der Ablauf der jeweiligen Therapie.

In Hinsicht auf die TNM-Klassifikation von Lungentumoren findet keine Unterscheidung bei kleinzelligen und nichtkleinzelligen Tumoren statt. Bronchialkarzinome werden zudem auf Basis der TNM-Klassifikation in Stadien (I bis IV) eingeordnet. Kleinzellige Karzinome werden zusätzlich in „begrenzte“ (Limited Disease) und „ausgedehnte“ (Extensive Disease) Erkrankungen unterteilt. Das vorliegende Stadium bestimmt im Weiteren dann den Ablauf der Therapie.

Diagnostik:

Zu einer speziellen körperlichen Untersuchung und Standardlaboruntersuchungen kommen Röntgen- bzw. Computertomographieaufnahmen des Thorax hinzu. Zur visuellen Diagnoseabsicherung findet des Öfteren auch eine Bronchoskopie mit einer flexiblen Fiberoptik statt. Ergänzend kann eine Ultraschalluntersuchung oder ein CT des Oberbauchs angefertigt werden, um eventuelle Metastasen in Leber, Nebennieren und/oder Lymphknoten ausschließen zu können. Liegt ein kleinzelliges Lungenkarzinom vor, können weitere klinische Untersuchungen wie Knochenmarkbiopsie (zum Ausschluss einer Knochenmarksinfiltration) und Schädel-CT/MRT (zum Ausschluss von Hirnmetastasen) notwendig werden.

Therapie:

Wie bei allen Tumorerkrankungen bestimmen auch bei den Lungenkarzinomen Histologie und die Tumorausbreitung das therapeutische Konzept. Im Folgenden wird nur auf die klassischen Indikationen zur Bestrahlung beim NSCLC und beim SCLC eingegangen.

Strahlentherapie beim nicht-kleinzelligen Karzinom:
  • Nachbestrahlung bei R0-Operation
  • Nachbestrahlung bei R1/R2-Resektion
  • Bei vorliegendem Stadium IIIA: eventuelle präoperative Radiochemotherapie mit anschließender Operation
  • Bei Patienten mit funktioneller Inoperabilität (z.B. ungenügende Lungenfunktion): Radiochemotherapie als Alternative zur Operation
  • Bei Sonderfall Pancoast-Tumor (NSCLC der Kategorie T3/T4 in der Lungenspitze mit Infiltration der Armnerven): Präoperative Bestrahlung der Tumorregion inkl. Wirbelkörper und oberer Mittelfellraum (Mediastinum), eventuelle spätere Tumorresektion
Strahlentherapie beim kleinzelligen Karzinom:
  • Mediastinalbestrahlung (Mittelfellraum) bei allen Patienten mit der Einteilung „Limited Disease“ und einem guten Ansprechen auf eine Chemotherapie
  • Anstreben einer frühen Mediastinalbestrahlung
  • Vorsorgliche Schädel- bzw. Ganzhirnbestrahlung bei prognostisch günstigen Patientengruppen (Patienten mit „Limited Disease“ und gutes Ansprechen nach einer Chemotherapie)

In allen Fällen des Bronchialkarzinoms ist eine Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie einer alleinigen Strahlentherapie in prognostischer Hinsicht überlegen.

[1] Deutsches Krebsforschungszentrum