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Der Beruf einer Bioinformatikerin oder eines Bioinformatikers ist außerordentlich vielseitig. Sie sind die Spezialisten für eines der wichtigsten Werkzeuge der modernen Wissenschaft: Der Informatik.

Mit diesem Werkzeug unterstützen sie Wissenschaftler der sog. Lebenswissenschaften (auf Neu-Deutsch: Life Sciences).

Für die erfolgreiche Forschung und Entwicklung in diesen Wissenschaften (z.B. Biologie, Chemie, Molekularbiologie, usw.) sind Bioinformatikerinnen und Bioinformatiker (oder allgemein Life-Science-Informatiker) heute unverzichtbar.

Bioinformatikerinnen und Bioinformatiker sind Informatiker, die sich auf Anwendungen in den Life Sciences spezialisiert haben. Im Arbeitsalltag haben sie ähnliche Aufgaben wie Informatiker anderer Spezialgebiete. Ein Unterschied liegt allerdings darin, dass eine Einarbeitung in dieses Spezialgebiet nicht einfach und schnell möglich ist und deshalb einen besonderen Studiengang erfordert.

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Beispiel „biomedizinische Forschung“

Experten schätzen, dass in der Arzneistoffforschung in Zukunft bis zu 50% der gesamten Arbeit für Computersimulationen und IT-basierte Modellierung aufgewendet werden.

Die bisherigen Labore, die „in-vivo“ (= Studien im lebenden Organismus) oder „in-vitro“ (= Studien im Reagenzglas) arbeiten, werden immer stärker von Anwendungen der Informatik ergänzt. Früher hatte dies eher den Charakter einer Unterstützung oder reiner Zuarbeit. Heute etablieren sich überall auf der Welt eigene Bioinformatiklabore. Diese werden in Anlehnung an die o.g. Begriffe „in-silico“ Labore genannt (= Studien im Silicium bzw. im Computerchip) und sind gleichwertige Partner in den Forschungs- und Entwicklungsteams.

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Beispiel „medizinische Diagnostik“

Heutige Analyse- und Diagnostikgeräte liefern riesige Datenmengen, die nicht mehr von Hand ausgewertet und bewertet werden können. Früher musste ein Arzt seine Diagnose auf einem einzelnen Röntgenbild aufbauen, das als Foto auf einem Filmabzug gespeichert war. Heute erzeugen Röntgentomografen oder MRT-Geräte viele GigaByte an Daten, die unseren Körper dreidimensional zeigen und die auf Festplatten gespeichert sind. Aufgabe der Informatik ist es, aus diesen Daten Bilder zu erzeugen, die ein Arzt interpretieren kann. Natürlich sprechen wir wieder von der Bioinformatik oder Life-Science-Informatik.

Noch interessanter wird es natürlich, wenn die Software die relevanten Befunde in den Datensätzen selbständig finden und für den Arzt hervorheben soll.

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Beispiel „Genomforschung“

Die klassische Anwendungsdomäne der Bioinformatik ist die Genomforschung (Functional Genomics). Als vor wenigen Jahren zum ersten Mal größere Teile unseres Genoms (unseres Erbgutes) analysiert wurden, hat die Bioinformatik die Verantwortung für die enormen Datenmengen übernommen. Zunächst führte die technische Herausforderung dazu, dass Bioinformatiklabore die größten verfügbaren Rechenzentren aufbauten: Viele TeraByte Speicherplatz und Computercluster mit mehreren tausend Prozessoren.

Diese technische Seite der Bioinformatik ist aber noch überschaubar im Vergleich zu ihrer eigentlichen Aufgabe: Verstehen, was die gespeicherten Daten letzlich bedeuten.

Und dies hat sich bis heute nicht geändert. Die Menge genomischer Daten nimmt immer noch exponentiell zu. Die Notwendigkeit diese Daten zu vergleichen und so aufzubereiten, dass die Biologen wissenschaftliche Ergebnisse finden können, besteht weiter. Die Herausforderungen an die Bioinformatik werden deshalb in den nächsten Jahren nicht kleiner, sondern eher noch größer.