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Frage: Wie wird man Bioinformatikerin oder Bioinformatiker?

Antwort: „Indem man Bioinformatik an der THM studiert“ ;-)

Im Ernst: Bioinformatiker benötigen eigentlich eine doppelte Ausbildung: Erstens in Informatik und zweitens in Naturwissenschaften, vor allem den sog. Lebenswissenschaften (Life Sciences: Biologie, Biochemie, Chemie, usw.).

Im Studium werden daher zunächst die Grundlagen in Informatik, Mathematik, Biologie, Chemie und Physik aufgefrischt und vermittelt.

Im zweiten Teil des Studiums besteht die Möglichkeit, sich individuell auf ein Interessengebiet zu spezialisieren. Dies mündet dann in die Bachelorarbeit, die in der Regel bereits außerhalb der Hochschule oder in Zusammenarbeit mit externen Partnern durchgeführt wird.

Für die Bioinformatikausbildung an unserer Hochschule steht Anwendungsorientierung an oberster Stelle. Deshalb bekommen alle Studenten Zugriff auf unsere Bioinformatik-Infrastruktur (Server und Software), die möglichst genau der entspricht, die die Absolventen später im Beruf vorfinden werden.

Nach dem Bachelorabschluss besteht die Möglichkeit, ein Masterstudium anzuschließen. An der THM bietet der Studiengang „Master of Science, Informatik“ eine Spezialisierung in Bioinformatik an.

Mit dieser interdisziplinären Ausbildung (Bachelor of Science in Bioinformatik und Master of Science in Informatik, mit Spezialisierung auf ein Gebiet der „Life Science Informatik“) stehen einem Absolventen viele Türen zu interessanten Firmen in Hessen, Deutschland, Europa oder in der ganzen Welt offen.

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Was können Bioinformatikerinnen und Bioinformatiker?

Bioinformatikerinnen und Bioinformatiker arbeiten eng mit Naturwissenschaftlern zusammen - mit Biologen, Biochemikern, Chemikern, Molekularbiologen oder auch Ingenieuren. Sie sind sozusagen die Brücke zwischen den Wissenschaften und der Informatik. Deshalb muss schon die Ausbildung zweigleisig sein:

Informatik

Der Werkzeugkasten der Bioinformatik ist die Informatik. Bioinformatikerinnen und Bioinformatiker müssen wichtige Werkzeuge zum Umgang mit großen Mengen kompliziert strukturierter Daten entwickeln und anwenden können.

Life Sciences

Die Bioinformatik ist fast immer in Forschungs- und Entwicklungsteams integriert. Gemeinsam mit Naturwissenschaftlern werden mit den Werkzeugen der Informatik Probleme gelöst. Eine solide Grundausbildung in Biologie, Molekularbiologie, Chemie und Physik ist unerlässlich.

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Weitere Spezialisierung

Das Feld der Life Sciences selbst ist allerdings wieder so breit gefächert, dass sich jeder Studierende, nach seinen persönlichen Interessen, weiter spezialisieren kann. Beispiele für Spezialgebiete der Bioinformatik sind:

  1. Functional Genomics: Sie entwickeln Methoden, um Information aus den riesigen Genomdatenbanken zu extrahieren.
  2. Arzneistoffdesign: Sie entwickeln Software, mit der medizinische Chemiker neue Arzneistoffe zu konstruieren können.
  3. Software Engineering: Sie entwickeln innovative Algorithmen für Anwendungen der Life Sciences.
  4. High-Performance Computing: Sie administrieren Mainframe-Rechner und Grids und sorgen dafür, dass die Bioinformatiksoftware auf diesen großen Maschinen funktioniert.
  5. Datenbanken: Sie setzen neue und bessere Datenbanken zur Verwaltung bioinformatischer Daten auf.
  6. Simulation: Sie modellieren biologische Systeme (Zellen, Organe oder ganzen Organsimen) z.B. um vorherzusagen, wie diese auf ein neues Medikament reagieren.
  7. Statistik: Sie werten Messdaten oder Ergebnisse klinischer Studien aus.
  8. Requirementsanalyse: Sie stehen genau in der Mitte zwischen den wissenschaftlichen Anwendungen und Informatikern und „übersetzen“ zwischen diesen beiden Gruppen..

Sie sehen: Es ist fast unmöglich, im weiten Feld der Life-Science-Informatik kein Thema zu finden, das den eigenen persönlichen Interessen entspricht; ein Thema, das fesselt und fasziniert. Im Studium wird diese Spezialisierung durch die Auswahl der Wahlpflichtfächer, durch eine individuelle Projektphase und durch die Bachelorarbeit unterstützt.

Erfolg

Diese doppelte Qualifikation zu erlangen kostet natürlich Engagement und Energie. Dieses Engagement wird später allerdings mehr als belohnt: Spezialistinnen und Spezialisten für Bioinformatik genießen in den Firmen meist höchstes Ansehen, da sie immer etwas können, das den anderen fehlt:

  • Informatikern haben Sie voraus, die Probleme der Naturwissenschaftler zu verstehen und deshalb gezielte Lösungen anbieten zu können.
  • Wissenschaftler stehen oft vor unüberwindlich scheinenden Problemen, wenn sie die gemessenen Daten nicht auswerten können, bzw. den erwarteten Effekt eines Experiments nicht sehen. Nicht selten werden Sie solche (tatsächlich großen) Probleme mit wenig mehr als einem hilfsbereiten Lächeln lösen.

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